Neue Stimmen aus den Niederlanden - Fünf Autoren und ein Band aus den Niederlanden und Flandern Jaap Scholten
Wie die Bundesrepublik mußten sich in den siebziger Jahren auch die Niederlande mit dem Terrorismus auseinandersetzen. Eine Folge des kolonialen Erbes, genauer gesagt der den Molukkern gegebenen Zusage, sie würden nach der Unabhängigkeit Indonesiens einen eigenen Staat erhalten. Dieses nie eingelöste Versprechen führte letztlich zu mehreren Zugentführungen. Jaap Scholten Daß Jaap Scholten (Niederlande, 1963) dieses kaum behandelte Thema in seinem Roman Morgenstern bearbeitet hat, verdient große Anerkennung. Er schildert es anhand der Geschichte zweier Jungen, die bei ihrer Geburt verwechselt worden sind. Sie führen daher, genau wie die Molukker, ein Leben in einer fremden Umgebung. Einer der beiden Jungen ist stark fasziniert von der Zugentführung, die 1977, im Jahr seiner Geburt, stattgefunden hat. Der andere macht sich auf die Suche, um hinter das Geheimnis seiner Vergangenheit zu kommen, und wird durch den mit ihm verwechselten Jungen indirekt in diese Sache hineingezogen. Soll man sich mit dem Zufall abfinden, ist die Geschichte unumkehrbar, oder soll man selbst in Aktion treten, wie es die Molukker getan haben? Inwieweit sind Menschen Geiseln ihrer Vergangenheit? So schneidet Scholten am Beispiel der Zugentführung in Morgenstern größere und persönlichere Probleme an. In Kombination mit den oft humorvoll geschilderten Familienaffären ergab das einen flotten, aktuellen Roman.

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