Kennen Sie Ihre Nachbarn?
Literatur aus Flandern und den Niederlanden
in Berlin - 12.-18. Mai 2004

Programm

Wann Mittwoch, 12. Mai, 19.30 Uhr

Was ‘Kennen Sie Ihre Nachbarn?’ Festliche Eröffnung der niederländisch-flämischen Literaturwoche in Berlin
Mit Hugo Claus, Adriaan van Dis, Anna Enquist, Arnon Grünberg, A.F.Th. van der Heijden, Tom Lanoye, Bart Moeyaert, Connie Palmen
Wo Theater Hebbel-am-Ufer, HAU Eins, Stresemannstraße 29, Tel. 030 259 00 427
Präsentation Maike Albath
Musik Dick van der Harst & het Muziek Lod
Eintritt 10 € / 6 €

Ein gutes Verhältnis zu den Nachbarn – kaum jemand wird dessen Bedeutung unterschätzen. Das gilt für die eigene Umgebung, aber auch für die Kunst und die Literatur. ‘Art makes life’, schrieb dereinst Henry James. Wenn er Recht hat, dann können Sie Ihre Nachbarn nie besser kennen lernen als während dieses festlichen Literatur- und Musikabends.

Er bildet den Auftakt zu einer Woche, in der zahlreiche niederländische und flämische Autoren – Ihre literarischen Nachbarn – überall in Berlin auftreten werden. Acht von ihnen tragen an diesem Abend aus ihren jüngsten Übersetzungen vor. Die Lesungen werden unterbrochen von Livemusik und erstaunlichen Fragmenten aus niederländischen und flämischen Filmen. Es wird also Zeit, Ihre Nachbarn erneut kennen zu lernen und zu erfahren, was sie beschäftigt – Liebe und Melancholie, aber auch Humor, Subversives und Verspieltheit.

Wann Donnerstag, 13. Mai, 20 Uhr

Was Göttliche Monster – eine Literatur aus Belgien
Mit Leonard Nolens, Tom Lanoye, Paul Bogaert
Wo Literaturhaus – Fasanenstraße 23, Tel. 030 887 28 60
Präsentation Hermann Wallmann Einführung Norbert Wehr
Eintritt 5 € / 3 €

Die renommierte Zeitschrift Schreibheft hat ihre neueste Ausgabe der zeitgenössischen flämischen Literatur gewidmet. Drei tonangebende Autoren, die darin ausführlich zu Worte kommen, stellen sich im Literaturhaus vor. Leonard Nolens ist ein Dichter, der inzwischen ein kolossales Oeuvre geschaffen hat. Tom Lanoye ist Performer und mit seiner Lyrik, seiner Prosa und seinen Dramen (Schlachten!) wohl der populärste Autor aus Flandern. Paul Bogaert ist eine der verblüffenden neuen Stimmen der Gegenwartslyrik. Hermann Wallmann, Schreibheft -Redakteur, spricht mit ihnen. Herausgeber Norbert Wehr erläutert, was ihn an der flämischen Literatur fasziniert. Im Anschluss lädt die Repräsentanz der Flämischen Regierung zum Empfang.

Wann Donnerstag, 13. Mai, 20 Uhr

Was Neue Literatur aus den Niederlanden und Flandern: Arnon Grünberg und Erwin Mortier
Wo Literarisches Colloquium Berlin – Am Sandwerder 5, Tel. 030 816 99 60
Moderation Maike Albath
Eintritt 5 € / 3 €

Der Niederländer Arnon Grünberg und der Flame Erwin Mortier sind die talentiertesten Vertreter der neuesten niederländischsprachigen Literatur. Grünberg debütierte sehr früh mit Blauer Montag , womit ihm auch sofort der internationale Durchbruch gelang. Dasselbe geschah bei Erwin Mortier, dessen Debüt Marcel die Aufmerksamkeit der größten europäischen Verleger weckte. Beide Schriftsteller zeichnen sich durch stilistische Meisterschaft aus: Grünberg (Diogenes) brilliert in Slapstick und einem Woody Allen ähnlichen Humor und flotten Szenen; Erwin Mortiers Prosa (Suhrkamp) ist die des raffinierten Melancholikers.

Zwei wirkliche Talente kommen ins Gespräch.

Wann Donnerstag, 13. Mai, 21.30 Uhr

Was A.F.Th. van der Heijden über Der Gerichtshof der Barmherzigkeit und Unterm Pflaster der Sumpf
Wo Café *EggersLandwehr – Rosa- Luxemburg-Straße 17, Tel. 030 310 10 330
Moderation Christoph Buchwald
Eintritt 3 €

2003 erschienen die beiden jüngsten Bände aus A.F.Th. van der Heijdens ambitioniertem Romanzyklus Die zahnlose Zeit auf Deutsch: Der Gerichtshof der Barmherzigkeit und Unterm Pflaster der Sumpf.

Suhrkamp brachte aus diesem Anlass den ganzen Zyklus in einer kunstvollen Kassette heraus. Inzwischen erschien in den Niederlanden De Movo Tapes, der erste Band eines neuen Zyklus Homo duplex .

Über beide Zyklen wird Buchwald mit A.F.Th. van der Heijden sprechen.

Wann Freitag, 14. Mai, 20 Uhr

Was Leicht beieinander wohnen die Gedanken
Mit Bart Moeyaert
Moderation Karin Gruß
Wo LesArt – Weinmeisterstraße 5, Tel. 030 282 97 47
Eintritt frei

Zu Gast bei LesArt ist der bekannte flämische Autor Bart Moeyaert, der als 19-Jähriger mit dem Buch Leander, Liselot und die Liebe (Peter Hammer, 1998) debütierte. Moeyaerts Bücher wurden vielfach aus-gezeichnet. So erhielt das Jugendbuch Bloße Hände (Beltz & Gelberg, 1997) den Deutschen Jugendliteraturpreis 1998. Weitere ins Deutsche übertragene Titel sind Im Wespennest (B & G, 2000) oder Es ist die Liebe, die wir nicht begreifen (B & G, 2001). Wiederum Aufsehen erregte das 2003 bei Peter Hammer publizierte Bilderbuch Am Anfang, worin Moeyaert seine poetische Weltsicht auf die Schöpfungsgeschichte bietet. Lesung und Gespräch werden moderiert von seiner Lektorin Karin Gruß. Um Anmeldung wird gebeten.

Wann Freitag, 14. Mai, 20 Uhr

Was Erlesenes Europa: A.F.Th. van der Heijden und Jonathan Coe
Wo Literarisches Colloquium Berlin – Am Sandwerder 5, Tel. 030 816 99 60
Moderation Verena Auffermann
Eintritt 5 € / 3 €

A.F.Th. van der Heijden gibt zusammen mit dem britischen Erfolgsautor Jonathan Coe den Startschuss zur groß angelegten Vortragsreihe Erlesenes Europa im LCB. Beide Autoren blicken in ihrem Werk zurück auf die Entwicklungen im Europa der Sechziger- und Siebzigerjahre und auf ihre persönlichen Erfahrungen in jener Zeit. Sie schufen beide auf ihre Weise eindringliche Zeitdokumente, die zugleich Autobiographien darstellen; die eine in der niederländischen Hauptstadt Amsterdam, die andere im provinziellen britischen Birmingham. Auf dem Podium des Literarischen Colloquiums Berlin begegnen sich diese einander verwandten Autoren zum ersten Mal.

Wann Freitag, 14. Mai, 21.30 Uhr

Was Adriaan van Dis über Doppelliebe
Wo Café *EggersLandwehr – Rosa-Luxemburg- Straße 17
Moderation Christoph Buchwald
Eintritt 3 €

Von Adriaan van Dis erschien in diesem Frühjahr bei Hanser ein neuer Roman in deutscher Übersetzung: Doppelliebe . Das Buch zeichnet ein scharfsinniges Porträt der Generation, die in den Sechzigern und Siebzigern die niederländischen Universitäten bevölkerte, aber es ist vor allem ein ergreifender Bildungsroman.

Wann Samstag, 15. Mai, 11.00 Uhr

Was Connie Palmen über Ganz der Ihre
Wo Café *EggersLandwehr – Rosa- Luxemburg-Straße 17, Tel. 030 310 10 330
Moderation Christoph Buchwald
Eintritt 3 €

Connie Palmen ist derzeit im In- wie Ausland die erfolgreichste niederländische Autorin. Auch ihr letzter Roman, Ganz der Ihre (Diogenes, 2004), wurde sofort nach seinem Erscheinen in den Niederlanden 2002 zum Bestseller. Christoph Buchwald spricht mit der Autorin über dieses Buch und über das Verhältnis zwischen Fantasie und Wirklichkeit, das den Kern von Palmens Schreiben bildet.

Wann Samstag, 15. Mai, 20 Uhr

Was In Zusammenarbeit mit literaturWERKstatt berlin und Consense GmbH: Vergänglich und vertraut
Mit Hugo Claus, Cees Nooteboom und Joachim Sartorius; Anna Enquist, Leonard Nolens und Gerhard Falkner; Paul Bogaert, Mustafa Stitou und Ulf Stolterfoht
Wo Kulturbrauerei – Kesselhaus, Knaackstraße 97, Tel. 030 485 24 50 Musik Jakobien Vlasman Quartet
Eintritt 8 € / 5 €

Während dieses festlichen Abends werden drei Trios herausragen der Dichter präsentiert, im Wechsel mit dem wunderbaren Jazz des niederländisch-deutschen Jakobien-Vlasman-Quartetts. Ulf Stolterfoht, Gerhard Falkner und Joachim Sartorius stellen jeweils zwei niederländischsprachige Dichter ihrer Generation vor. Die Lyriker lesen aus ihrem Werk und diskutieren darüber, was sie eint und was sie trennt. Jakobien Vlasman beschließt den Abend mit einem Konzert.

Auch den neuen Beiträgen niederländischer und flämischer Dichter auf lyrikline, der viel gepriesenen Lyrikwebsite der literaturWERKstatt Berlin, wird Aufmerksamkeit geschenkt.

Wann Sonntag, 16. Mai, 11 Uhr

Was Vonne van der Meer über Abschied von der Insel und Kristien Hemmerechts über Viel Frauen und ab und zu ein Mann
Wo Café *EggersLandwehr – Rosa-Luxemburg-Straße 17, Tel. 030 310 10 330
Moderation Christoph Buchwald
Eintritt 5 €

Die Niederländerin Vonne van der Meer stellt ihr neues Buch Abschied von der Insel (G. Kiepenheuer, 2004), den letzten Band ihrer erfolgreichen Trilogie über die Bewohner eines Ferienhauses auf einer der Westfriesischen Inseln vor. Flanderns populärste Autorin Kristien Hemmerechts spricht über ihr zuletzt ins Deutsche übersetzte Buch mit dem ungewöhnlichen und viel versprechenden Titel Viele Frauen und ab und zu ein Mann (Heyne

Diana, 2002).

Wann Sonntag, 16. Mai, 20 Uhr

Was Der sublime Verlust
Mit Adriaan van Dis, Kristien Hemmerechts, Bart Moeyaert und Erwin Mortier
Wo Roter Salon in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Tel. 030 247 67 72 Moderation Astrid Poppenhusen
Eintritt 6 €

Wie wichtig ist die Erinnerung während des Schreibprozesses? Wie sehr bestimmen Herkunft und Familie die Identität eines Schriftstellers? Ist Schreiben ein Versuch, sich zu erinnern, oder eher ein Versuch, die eigene Geschichte zu vergessen? Vier Autoren aus den Niederlanden und Flandern sind auf ihre jeweils eigene Weise von diesen Fragen geprägt worden. Adriaan van Dis wurde in einer Familie groß, die aus Indonesien in die Niederlande zurückgekehrt war; Kristien Hemmerechts machte sich mühsam los von Familienbanden, die sie zugleich aber hegt; Bart Moeyaert wuchs als jüngster von sieben Brüdern auf, und Erwin Mortier ist fasziniert von der kollektiven flämischen Kriegserinnerung.

Sie alle lesen aus ihrem Werk vor und erzählen aus den Schatzkammern ihrer Kindheit, vom sublimen Verlust.

Wann Montag, 17. Mai, 20.00 Uhr

Was In Kooperation mit dem Berliner Künstlerprogramm des DAAD: Wahlheimat Berlin
Mit Cees Nooteboom, Rüdiger Safranski
Wo Deutsches Historisches Museum – Unter den Linden 2
Hinter dem Gießhaus 3
Eintritt 5 € / 3 € (nur Abendkasse)

Suhrkamp bringt derzeit das Gesamtwerk Cees Nootebooms in einer wunderbaren Ausgabe heraus – nie zuvor wurde einem niederländischen Autor im Ausland eine solche Ehre zuteil. Im Vorjahr erschien ebenfalls bei Suhrkamp Philip und die anderen , eine Neuübersetzung von Nootebooms Romandebüt von 1955 (zuvor erschienen als Das Paradies ist nebenan ). Zu dieser Neuausgabe schrieb Rüdiger Safranski das Nachwort. In der Reihe ‘Wahlheimat Berlin’ des DAAD kommen Cees Nooteboom und Rüdiger Safranski miteinander ins Gespräch.

Wann Montag, 17. Mai, 20.00 Uhr

Mit P.F. Thomése, Michael Kumpfmüller
Wo Roter Salon in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Tel. 030 247 67 72
Moderation Bernd Müller
Eintritt 6 €

Mit Schattenkind (Berlin Verlag) schrieb P.F. Thomése ein Buch, das in der niederländischen Literaturkritik ungeheuren Eindruck hinterließ. Das Buch beschreibt die Gedanken und Gefühle des Autors, kurz nachdem er seine nur wenige Wochen alte Tochter verloren hat. Thomése analysiert seine eigene Verzweiflung – nicht etwa in Form eines Klageliedes, sondern in genauen und sorgfältig gewählten Worten.

Mit Michael Kumpfmüller, Autor von Durst (Kiepenheuer & Witsch, 2003) spricht Thomése über die Grenzen, die Unmöglichkeiten und den Trost der Literatur.

Wann Montag, 17. Mai, 21.30 Uhr

Was Tomas Lieske über Franklin
Wo Café *EggersLandwehr – Rosa-Luxemburg-Straße 17 Moderation Christoph Buchwald
Eintritt 3 €

Tomas Lieske ist ein in den Niederlanden seit Jahr und Tag anerkannter Dichter, Essayist und Romanautor. Sein Roman Franklin (Rowohlt, 2004), mit dem er 2001 den renommierten niederländischen Librisliteraturpreis errang, ist sein erstes Buch in deutscher Übersetzung. Auch sein letztes Jahr erschienener Roman Gran Café Boulevard wird ins Deutsche übersetzt.

Wann Dienstag, 18. Mai, 20.00 Uhr

Was Ein Gespräch mit Geert Mak
Wo Literaturforum im Brecht-Haus – Chausseestraße 125, Tel. 030 282 20 03
Moderation Rolf Brockschmidt
Eintritt 5 € / 3 €

Geert Mak ist zweifellos der derzeit erfolgreichste Sachbuchautor der Niederlande. In seinen Büchern macht Mak ‘große’ Geschichte anschaulich, indem er sie mit den persönlichen Lebensgeschichten der Menschen verknüpft, die die große Geschichte erleben und erleiden.

Das tat er bereits in seinem wunderbaren Buch Amsterdam. Biographie einer Stadt (Siedler, 1997); erneut in Das Jahrhundert meines Vaters (Siedler, 2003) und er tut es wiederum in seinem außergewöhnlichen In Europa, einem ebenso beeindruckenden wie umfangreichen Buch von 1250 Seiten, das gerade in den Niederlanden erschienen ist.

Rolf Brockschmidt spricht mit dem Meistererzähler Geert Mak.

Wann Dienstag, 18. Mai, 20.00 Uhr

Mit Vonne van der Meer, Tomas Lieske
Wo Literaturhaus – Fasanenstraße 23, Tel. 030 887 28 60
Moderation Jan Konst
Eintritt 5 € / 3 €

Vonne van der Meer und Tomas Lieske hatten in den Niederlanden schon länger eine treue, aber kleine Anhängerschar, bis sie einem größeren Publikum den Durchbruch erlebten: Vonne van der Meer gelang das mit ihrer subtilen und feinsinnigen Romantrilogie über ein Ferienhaus auf einer der Westfriesischen Inseln und die Erlebnisse seiner Bewohner; soeben erschien bei G. Kiepenheuer der dritte und letzte Band Abschied von der Insel. Tomas Lieske gewann 2001 den Librisliteraturpreis mit seinem Roman Franklin , der nun bei Rowohlt veröffentlicht worden ist.

Jan Konst unterhält sich mit beiden Schriftstellern.

Wann Dienstag, 18. Mai, 21.30 Uhr

Was Erwin Mortier über Meine zweite Haut und P.F. Thomése über Schattenkind
Wo Café *EggersLandwehr – Rosa-Luxemburg-Straße 17, Tel. 030 310 10 330
Moderation Christoph Buchwald
Eintritt 5 €

Schon vor diesem Jahr waren drei Bücher des niederländischen Autors P.F. Thomése in deutscher Übersetzung erschienen; zuletzt Der sechste Akt (G. Kiepenheuer, 1999). Sein jüngstes Buch Schattenkind (Berlin Verlag, 2004) nimmt einen besonderen Platz in seinem Schaffen ein und erntete in der niederländischen Literaturkritik enorme Anerkennung.

Der flämische Schriftsteller Erwin Mortier schrieb eine verinnerlichte, durchweg bejubelte Trilogie. Die ersten zwei Bände – Marcel (2001) und Meine zweite Haut (2004) – sind bereits bei Suhrkamp erschienen.